Interview 2020: Amtierende Deutsche Meisterin Antonia Faber im Gespräch mit Disc Golf Küste!

Freut Euch auf ein tolles Interview mit Antonia Faber, amtierende Deutsche Disc Golf Meisterin 2020, und gewinnt ganz besondere Einblicke in den Disc Golf Sport.

Antonia Faber bei den Deutschen Disc Golf Meisterschaften 2020 beim Abwurf

Wir konnten über ihre Strategie bei den Deutschen Disc Golf Meisterschaften, ihren Weg zum Disc Golf Sport, über den Damen Disc Golf Sport, ihren Turnierkalender 2021 und über ihre beliebtesten Disc Golf Scheiben, Parcours und Turniere sprechen. Auch für Anfänger lassen sich hier interessante Impulse für das eigene Spiel mitnehmen. Viel Spaß 🙂 !

Kai: Hallo Antonia! Ich freue mich riesig, dass Du nach den Deutschen Disc Golf Meisterschaften Zeit gefunden hast, für meinen jungen Disc Golf Blog  www.discgolfkueste.de  ein kurzes Interview zu geben. Vielen Dank! 

Antonia: Hallo Kai! Danke, dass du mich dazu eingeladen hast. Ich verfolge Deinen Blog auch schon eine Weile und muss sagen, beispielsweise Dein kürzlicher IKEA-Hack hat mir echt gut gefallen.  

Kai: Du hast dieses Jahr die Deutschen Disc Golf Meisterschaften der Damen in Salzgitter gewonnen. Herzlichen Glückwunsch für diese tolle Leistung. Wie fühlt es sich an?

Antonia: Ja danke, es fühlt sich sehr gut an. Zumal ich mich dieses Mal extrem unvorbereitet gefühlt habe. Es war mein erstes Turnier in 2020 und so ganz ohne Vergleich, das ist schon echt ungewohnt. Und da steigt die Nervosität gleich eine Nummer an. Daher ist es umso schöner, wenn man am Ende doch erfolgreich ist.

Kai: Was war Dein Schlüsselmoment bei den Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr?

Antonia: Ich glaube, so einen Schlüsselmoment während des Turniers gab es gar nicht. Mein Spiel dieses Jahr war vor allem auf Sicherheit und vernünftiges Putten ausgelegt. Durch wenig Training und einige Verletzungen kann ich aktuell nicht so weit werfen (im Vergleich zum Vorjahr) und daher war mein Plan vor allem, die OBs zu vermeiden und mich immer in möglichst gut spielbare Positionen zu bringen. Vor allem an den langen Bahnen. Naja und eben an den kürzeren dann auch mal das eine oder andere Birdy mitzunehmen. Daher ist eine Art Schlüsselmoment eine gute Vorbereitung auf dem Kurs. Ich bin bereits am Sonntag vor Turnierbeginn angereist und habe dann jeden Tag eine ganz entspannte Trainingsrunde gespielt und mir die Bahnen und meine optimalen Zwischenziele auf jeder Bahn, aber auch die zur vermeidenden Stellen, angesehen. 

Kai: Ich habe Disc Golf in Finnland kennengelernt. In Finnland ist Disc Golf ein Breitensport, der von jungen Menschen bis zu Senioren im hohen Alter als Freizeit- oder auch Leistungssport gespielt wird. Insgesamt gibt es in Finnland sicherlich inzwischen  über 800 Disc Golf Parcours, jede Stadt, jedes größere Dorf und die Schulen haben meistens mindestens einen Parcours. Die Supermärkte haben regulär Disc Golf Ausrüstung von verschiedenen Herstellern in den Regalen. In Deutschland ist mir der Sport zunächst nicht aufgefallen. Erst ab dem Zeitpunkt, an dem ich selber anfing zu spielen und ich in Boostedt eine Disc Golf Sparte im örtlichen Verein gründete, habe ich andere Disc Golf Sportler und Parcours in meiner Nähe entdeckt. Wie bist Du zum Disc Golf gekommen und wie lange spielst Du schon?

Antonia: Ich hab Disc Golf über meinen Mann Michael kennengelernt. Er wurde von Kollegen mit zum Kurs in Potsdam mitgenommen und war total begeistert. Ich hab damals (2011-12) noch Tennis gespielt und wollte auf keinen Fall wechseln. Aber irgendwann hat er mir eigene Scheiben geschenkt und erklärt, wie ich werfen muss. Tja und wenn dann so eine Scheibe auf einmal statt 40m an die 80m fliegt, dann ist das schon faszinierend. 

Kai: In meiner Wahrnehmung wird Disc Golf in Deutschland noch viel von Männern gespielt. In Finnland fühlt sich die Basis im Disc Golf etwas breiter an. International sehr erfolgreich sind bspw. Henna Blomroos und Eveliina Salonen aus Finnland. In den USA werden inzwischen internationale Damen und Herren-Profi-Turniere der DGPT gleichberechtigt live im TV über das Disc Golf Network oder am Folgetag auf YouTube gezeigt. Catarina Allen, eine der besten Disc Golferinnen weltweit, hat auf Instagram die #respectHERgame Initiative gestartet, die sehr großen Zuspruch aus der Szene erfährt. Der Disc Golf Sport wird für Damen immer attraktiver. Was würdest Du einer Freundin erzählen, warum sie mit Disc Golf im lokalen Verein anfangen sollte?

Antonia: Ich habe schon versucht, einige meiner Freundinnen an Disc Golf heran zu bringen. Allerdings glaube ich, wäre das richtige Herangehen eher eine verbesserte Jugendförderung. Neues kennenlernen ist spannend und wer dann noch die schnellen Verbesserungen (gerade am Anfang) sieht, ist auch schnell verliebt in diesen Sport. Wer aber noch nie in seinem Leben etwas mit werfen oder irgendeiner Ballsportart zutun hatte, der hat am Anfang leider manchmal recht große Hemmungen, es auszuprobieren. Und diese Hemmschwelle ist bei Frauen, meiner Erfahrung nach, etwas größer als bei Männern. 

Kai: Wie können Vereine Spielerinnen besser ansprechen?

Antonia: Trainings anbieten, Einsteigerturniere und auch Events nur für Frauen anbieten, sind meiner Meinung nach großartige Möglichkeiten.

Disc Golf Training mit Antonia Faber (Team Natural Born Disc Golfer, 2.v.r) und Kai Christophersen (Disc Golf Küste, Team Discmania, 4.v.r) im SV Boostedt in 2020

Kai: Ich habe bei der Organisation meiner beiden ersten Turniere als Turnierdirektor, die SV Boostedt Winter Open 2019 und 2020 festgestellt, dass die Anmeldelisten sich in wenigen Stunden auffüllen, die Anmeldungen von Spielerinnen aber sehr überschaubar bleiben. Leider musste ich die Winter Open dieses Jahr wegen Corona nun absagen. Was muss ich als TD tun, um mehr Frauen für Disc Golf Turniere zu begeistern?

Antonia: Schwere Frage. Ich habe schon das ein oder andere Mal gehört: „Wenn die kommt, hab ich eh keine Chance, dann brauch ich auch nicht spielen“. Und das jetzt nicht auf mich bezogen, sondern auch im internationalen Kontext. Die Lösung von einigen TDs ist daher, möglichst viele Divisionen (nicht nur bei den Herren, sondern auch für die Damen) anzubieten. Damit haben alle auch entsprechende Chancen. Und ja, ich weiß, dass das in Deutschland noch recht schwierig ist, da teilweise sehr wenig Anmeldungen da sind, aber bei dem WomenGlobalEvent in Schöneningen waren auch 35 Damen am Start. Ich glaube aber, es werden immer mehr in den letzten Jahren. Zumindest nehme ich das so wahr. 

Kai: Spielst Du selber dieses Jahr noch weitere Turniere in Europa und wie sieht Dein Turnierkalender 2021 aus? Wo können interessierte Frauen Dir bei einer Turnierrunde mal zuschauen?

Antonia: Meine Turniersaison geht erst nächstes Jahr wieder los, falls CORONA das zulässt. Dadurch, dass die Turniere dieses Jahr alle abgesagt oder verschoben wurden, habe ich für nächstes Jahr bereits einen recht vollen Turnierkalender (Kokkedal, Petzen Open, Spring Forester, Tyyni, European Open und European Championships). Ob die neuen Termine auch alle so liegen, dass ich wirklich teilnehmen kann, wird sich zeigen. Wenn es um Turniere in der Nähe geht, werde ich auf jeden Fall die Deutschen Meisterschaften spielen, falls es keine Überschneidung gibt, sind wir als Familie auch auf jeden Fall wieder in Kellenhusen und Hamburg und wahrscheinlich bei den Berlin Open dabei. Mal sehn, was das Jahr so hergibt.

Kai: Da hast Du ja wirklich schon einen gut gefüllten Turnierkalender in 2021. Ich habe in meiner bisher kurzen Zeit, in der ich Disc Golf spiele, festgestellt, dass man sehr mobil sein muss und viel Reisezeit einplanen muss, wenn man viele Turniere spielen möchte. Hast Du einen Sponsor, der Dich dabei unterstützt?

Antonia: Ich werde durch NBDG (Natural Born Disc Golf), einem finnischen Disc Golf Team und Ausrüster unterstützt. Reisezeit und Kosten sind aber mein Privatvergnügen. Durch das Team, hat man dann immer mal die Möglichkeit  Unterbringungskosten zu sparen und  man hat immer Unterstützung auf den Tunieren.

Kai: Lass uns noch kurz über Deine Auswahl der  Disc Golf Scheiben in Deinem Turnier-Rucksack sprechen. Gibt es Evergreens in Deiner Auswahl, was sind die Neuzugänge in 2020?

Antonia: Ganz prinzipiell habe ich ja durch mein Team die Bindung an Trillogy, wobei es seit diesem Jahr eine neue Kooperation mit Prodigy gibt. Ich würde mal von langsam auf schnell vorstellen.

Ich putte im Bereich bis ca. 12m mit der Shield (soft). Ich liebe die Griffigkeit der Scheibe, und dass sie auch bei Regen den Grip nicht verliert. Außerhalb von 12m steige ich eher auf die Pure um, da sie länger gleitet. Die Pure nutze ich auch für Anhyzer oder gerade Approaches ohne Wind. Bei Wind greife ich dafür eher zu Shield oder Harp.

Midranges werfe ich eher selten, wenn dann sind es aktuell aber vor allem die Emac Truth für eigentlich alles, bis auf bei starken Wind, dann ist es die Anchor.

Häufig werfe ich aber statt einer Midrange einen meiner Fairway Driver. Die River ist dazu auch noch eine meiner wichtigsten Scheiben in der Tasche / im Züca. Ich habe prinzipiell mindestens 2 (gleich fliegende), manchmal aber auch 4 Rivers in der Tasche (2 neue und 2 lange eingespielte). Vor allem auf Waldkursen würde ich auf die River nicht verzichten wollen. Für die Vorhand greife ich dann aber auch gerne mal auf eine Escape zurück.

Bei den schnelleren Scheiben, das wissen mittlerweile, glaub ich, die meisten, die mich kennen, dass die Halo Air mein Go-to Driver ist. Ich habe da echt schon alles zusammengekauft, was ich in die Finger bekommen konnte. Leider wird die nicht mehr hergestellt und da tut es mir echt weh, wenn ich wie gerade in Dortmund eine „mitten“ im See versenke. Abgesehen von der Halo haben auch die Sheriff und die Trespass (beides in Air) einen festen Platz in der Tasche, bei starkem Wind dann auch mal eine der drei in der Vollgewichtsvariante. Da muss es aber schon echt pusten, ansonsten sind meine Air Scheiben durchaus in der Lage, dem Wind zu trotzen. Man muss dann eben den Abwurfwinkel gut kontrollieren.

Kai: Jetzt noch vier schnelle Tops zum Abschluss: Deine Top-3 Parcours?

Antonia:

  • The Canyons Disc Golf Course in Dellwood Park, Lockport Illinois, USA
  • Tyyni – Nevas Golf Kurs, Finnland (leider nur im Turnier bespielbar)
  • Strudengau Open in Thomas am Blasenstein, Östereich

KaiDeine Top-3 Disc Golf Turniere?

Antonia:

  • Kokkedal Open
  • Tyyni
  • Konopiste Open

Kai: Deine Top-3 Disc Golf Scheiben?

Antonia:

  • Halo Air
  • River 
  • Shield

Kai: Deine Top-3 Empfehlungen für Anfängerscheiben?

Antonia: Langsame neutrale Scheiben nehmen, die einem zeigen, was man gerade gemacht hat bzw. welchen Fehler man macht. Wenn man die Scheiben verstanden hat, bzw. dazu kriegt, dass sie das machen, was man machen möchte, dann kann man gerne auf schnellere Scheiben umsteigen.

Meiner Meinung nach sind zum Beispiel Pure und Truth tolle Einsteiger Scheiben.

Kai: Vielen Dank für das tolle Interview und Deine Zeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns im Laufe der nächsten Saison nochmal unterhalten könnten. Ich wünsche Dir aber erstmal sehr viel Erfolg in der kommenden Saison und eine schöne Weihnachtszeit. Alles Gute & Bis bald!

Antonia: Danke Kai,  ich freu mich jetzt schon auf unsere nächste Runde, sei es auf dem Kurs oder einfach so zum Reden. Dir natürlich auch ein gutes Restjahr, bleib gesund und mach weiter so mit deiner Arbeit für unseren Sport.

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